Wie wähle ich die richtige Steuerleitung aus?
Systematische Auswahl in 6 Schritten
Die Auswahl einer Steuer- oder Anschlussleitung erfolgt auf Basis von Spannung, normativen Anforderungen, Umgebungsbedingungen, mechanischer Beanspruchung und konstruktivem Aufbau. Die folgende Struktur ermöglicht eine gezielte Definition aller technischen Kriterien und führt direkt zur passenden Leitung in der Auswahltabelle.
Schritt 1 - Spannungsklasse festlegen
Definieren Sie die erforderliche Nenn- und Prüfspannung:
- Uo/U 300/500 V
- Uo/U 450/750 V
- Uo/U 0,6/1 kV
- Prüfspannungen z. B. 2000 V, 3000 V, 4000 V
- Bei Export: UL / cUL / CSA Spannungsangaben (600 V, 1000 V)
>> In der Tabelle: Bereich „Spannungen“
Schritt 3 - Umgebungsbedingungen
Bestimmen Sie die thermischen und chemischen Belastungen:
- Temperaturbereich je nach Verlegeart (z.B. -50 °C bis +105 °C)
- Ölbeständig nach EN 50363-4-1, EN 50363-10-2, VDE 0207-363
- Oil Rating 60 °C nach UL 1581
- Fuel Oil Beständigkeit nach CSA-C 22.2 No. 210
- Beständigkeit gegen Kraftstoffe, Kühl- und Reinigungsmittel
>> In der Tabelle: Bereich „Temperaturbereich“, „Eigenschaften“
Schritt 5 - Aufbau & EMV-Anforderungen
Definieren Sie den konstruktiven Aufbau der Leitung:
- Geschirmt oder ungeschirmt (EMV-Anforderungen)
- Innenmantel oder transparenter Außenmantel
- Nummerierte oder farbige Adern
- Aderquerschnitt entsprechend der elektrischen Auslegung
>> In der Tabelle: Bereich „Grundaufbau“
Im letzten Schritt wird der konstruktive Aufbau definiert.
Geschirmte Steuerleitungen sind insbesondere bei störanfälligen Umgebungen oder zur Einhaltung elektromagnetischer Verträglichkeit empfehlenswert.
Schritt 2 - Normen und Zulassungen prüfen
Berücksichtigen Sie die für Ihre Anwendung geltenden Normen und Sicherheitsanforderungen:
- IEC 60332-1-2 / VDE 0482-332-1-2 (Flammwidrigkeit)
- UL VW-1 / CSA FT1 / FT2 (Brennverhalten Nordamerika)
- EN 50363 / VDE 0207 (Öl- und Chemikalienbeständigkeit)
- NFPA 79 (Industrieanlagen)
- UL, cUL, CSA Approbationen
- Anforderungen an eigensichere Stromkreise
>> In der Tabelle: Bereich „Normen und Zulassungen“
Schritt 4 - Mechanische Beanspruchung
Analysieren Sie die mechanische Belastung im Betrieb:
- Feste oder bewegte Verlegung
- Biegeradius und Dauerflexibilität
- Stoß- und Druckbelastung (z. B. UL 1277 Impact and Crushing Test)
- Erforderlicher Innenmantel, verstärkter Außenmantel oder Stahldrahtabschirmung
Je nach Belastungssituation kann eine Leitung mit Innenmantel, verstärktem Außenmantel oder zusätzlicher Abschirmung erforderlich sein.
Schritt 6 - Spezialanforderungen
Zusätzlich zu den Standardkriterien können Leitungen gezielt an Ihre speziellen Anforderungen angepasst werden:
- Aderanzahl und Aderquerschnitt individuell festlegen
- Mantelfarbe und Kabelkennzeichnung definieren
- Hybride Leitungsaufbauten, z. B. Kombination von Strom- und Datenadern
Diese Optionen ermöglichen, die Leitung exakt auf Ihre technischen Vorgaben abzustimmen.
>> Teilen Sie uns Ihre spezifischen Anforderungen mit, damit unser Team die technische Machbarkeit prüfen kann.
Auswahl über die Tabelle
In der folgenden Auswahltabelle können Sie alle genannten Kriterien direkt vergleichen und gezielt die Steuerleitung auswählen, die Ihren elektrischen, normativen und umgebungsbedingten Anforderungen entspricht. Weitere technische Details wie Biegeradien, genaue Temperaturbereiche bei bewegter Verlegung oder empfohlene Einsatzgebiete finden Sie auf den jeweiligen Produktdetailseiten.
Sollten Sie keine passende Ausführung finden, unterstützen wir Sie bei der Auswahl geeigneter Leitungen oder entwickeln bei Bedarf eine kundenspezifische Spezialleitung. In vielen Fällen bereits ab einer Mindestlänge von 300 m.
Auswahltabelle für flexible Steuerleitungen 1/2:
| von bis | 1 von 0,50 mm bis 1,50 mm2 | * Temperaturbereich bewegt siehe - jeweilige Katalogseite |
Auswahltabelle für flexible Steuerleitungen 2/2:
| von bis | 1 von 0,50 mm bis 1,50 mm2 | * Temperaturbereich bewegt - siehe jeweilige Katalogseite |
Download: Auswahltabelle Steuerleitungen
Mehr über Einsatzgebiete von Steuerleitungen erfahren.
Häufige Fragen zur Auswahl von Steuerleitungen
In diesem FAQ-Bereich beantworten wir typische, praxisbezogene Fragen zur Auswahl von Steuerleitungen. Die Antworten beziehen sich direkt auf die in der Auswahltabelle gelisteten Produkttypen und enthalten Informationen zu den entsprechenden technischen Eigenschaften und Einsatzbedingungen. So erhalten Sie schnell eine Orientierung, welche Leitung sich für welchen Anwendungsfall eignet.
FAQ - Steuerleitungen
In rauen Industrieumgebungen mit erhöhter mechanischer Belastung, z. B. durch Stöße, Abrieb oder mögliche Quetschung, sollten Steuerleitungen mit zusätzlicher mechanischer Verstärkung eingesetzt werden. In der Auswahltabelle helfen insbesondere die Spalten „Innenmantel“, „Stahldrahtgeflecht“ oder spezielle Prüfungen zur mechanischen Belastbarkeit bei der Auswahl geeigneter Leitungen.
Eine besonders robuste Variante ist CC 500 SY, die durch Innenmantel und Stahldrahtgeflecht einen erhöhten mechanischen Schutz bietet. Für Anwendungen mit hohen Anforderungen an Stoß- und Druckfestigkeit eignet sich auch CC 600 MTW, die den Impact and Crushing Test nach UL 1277 erfüllt.
>> Beispiele aus der Tabelle: CC 500 SY , CC 600 MTW, SAB A 531 Rugged
Hinweis: Bei zusätzlicher chemischer oder ölbedingter Belastung sollten die entsprechenden Beständigkeitsangaben in den Produktdetailseiten geprüft werden.
Steuerleitungen mit einer Nennspannung von 0,6/1 kV werden eingesetzt, wenn höhere Betriebsspannungen auftreten oder eine größere elektrische Sicherheitsreserve erforderlich ist. In der Auswahltabelle können passende Leitungen über die Spalte „Nennspannung Uo/U 0,6/1 kV“ identifiziert werden.
Für Anwendungen ohne besondere EMV-Anforderungen eignet sich z. B. die CC 510 als ungeschirmte PVC-Steuerleitung. Wenn zusätzlich elektromagnetische Störungen zu erwarten sind, empfiehlt sich eine geschirmte Variante wie CC 510 CY mit Cu-Gesamtabschirmung und Innenmantel.
>> Beispiele aus der Tabelle: CC 510, CC 510 CY
Normative Grundlagen für solche Leitungen ergeben sich u. a. aus VDE- und IEC-Normen für Niederspannungsleitungen.
Viele der PVC‑Steuerleitungen sind nach EN 50363‑4‑1 / EN 50363‑10‑2 ölbeständig bzw. besitzen chemische Beständigkeit. In der Tabelle sind solche Eigenschaften unter „Ölbeständigkeit“ und „chemische Beständigkeit“ gekennzeichnet. Beispielhafte Steuerleitungen mit guter Ölbeständigkeit und chemischer Beständigkeit sind:
>> CC 500 CP und
Die Auswahl hängt von der geforderten Flexibilität, der mechanischen Belastung und den EMV-Anforderungen ab. Für flexible Verlegung ohne dauerhafte Biegebeanspruchung, z. B. bei Maschineninstallationen oder der Verbindung zwischen Schaltschrank und Anlage, werden meist PVC-Steuerleitungen mit feindrähtigem Leiter (Klasse 5) eingesetzt.
Wenn keine besonderen EMV-Anforderungen bestehen, kann eine ungeschirmte Leitung wie CC 500 verwendet werden. Treten elektromagnetische Störungen auf, empfiehlt sich eine geschirmte Variante wie CC 500 CY mit Cu-Gesamtabschirmung und Innenmantel.
>> Beispiele aus der Tabelle: CC 500 , CC 500 CY
Hinweis: Für dauerhafte Bewegung, z. B. in Energieketten oder Robotern, sollten spezielle Leitungen für hochdynamische Anwendungen eingesetzt werden.
Geschirmte Steuerleitungen werden eingesetzt, wenn elektromagnetische Störungen auftreten können oder empfindliche Steuer- und Sensorsignale übertragen werden. Typische Störquellen sind Frequenzumrichter, Motorleitungen oder parallel geführte Energiekabel. Der Kupfergeflechtschirm reduziert sowohl das Eindringen äußerer elektromagnetischer Störungen als auch die Abstrahlung von Signalen aus der Leitung.
In der Auswahltabelle können geschirmte Leitungen über die Spalte „Cu-Abschirmung“ identifiziert werden.
Typische Beispiele sind:
>> CC 500 CY - geschirmte PVC-Steuerleitung mit Nennspannung 300/500 V, geeignet für Maschineninstallationen und Steuerkreise im europäischen Maschinenbau.
>> CC 600 CY - geschirmte Steuerleitung mit internationalen Zulassungen und höherer Nennspannung (UL/CSA 600 V), häufig eingesetzt in Exportmaschinen oder internationalen Anlagen.
Hinweis: Die tatsächliche Schirmwirkung hängt vom Aufbau und Bedeckungsgrad des Kupfergeflechts ab.